Absurdistan III – Des Übels Wurzel im Familienrecht

Fortsetzung des Gastbeitrags, Teil 2 zu Elternkursen

Teil 3

Eine der Kursleiterinnen des Elternkurses berichtete uns, dass man seit etwa 10 Jahren eine Verdopplung der Verfahren am Familiengericht beobachte, das sei auch durch das statistische Bundesamt belegt. (Das deckt sich mit der Aussage von Prof. Kannegießer in ihrer Stellungnahme zur Anhörung im Bundestag am 13.2.19). Ich zuckte zusammen. 10 Jahre – d.h. seit 2009. Exakt das Jahr, in dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die bis dato gängige Praxis der „automatischen“ Alleinsorge für getrenntlebende Mütter für diskriminierend erklärt hatte und in dessen Folge das Bundesverfassungsgericht dieses als verfassungswidrig einstufte, woraufhin das gemeinsame Sorgerecht für unverheiratete Väter gesetzlich verankert wurde.

Die Kursleiterin führte weiter aus, dass vor allem, wenn es um das Wechselmodell ginge, die Konflikte besonders massiv seien. Spätestens hier fing es im Publikum an zu brodeln und Grüppchendiskussionen brachen aus.

Die Wurzel des Übels ist bekannt

Wir alle waren froh, dass kurz danach die Sitzung beendet war. Der Beigeschmack blieb. Man weiß im System also sehr genau, wann dieser Massenkonflikt begann und erkennt auch, womit es zusammenhängt. Dennoch wird an den Symptomen, nämlich abertausenden Verfahren mit immer neuen Beratungen, Mediationen und Kursen herumgedoktert, anstatt die Wurzel des Übels anzugehen. Das heißt nicht, dass alle Väter pauschal ausgebootet werden sollen. Das wäre genauso falsch. Es tut aber dennoch not, dass Fachkräfte richtig ausgebildet sind.

Mögliche Lösungen?

Es muss eine vernünftige Sachverhaltsaufklärung erfolgen. Pauschalisierungen zugunsten einer echten und letztendlich gesetzlich vorgegebenen Individualbetrachtung eines jeden Eltern-Kind- Systems verschwinden. Politisch ist diese Individualbetrachtung gewünscht. Justizministerin Dr. Katarina Barley sagte anlässlich der Diskussionen um die von der FDP gewünschte gesetzliche Verankerung des Wechselmodells als Regelfall sehr klar, dass das Wechselmodell keine „1-fits-All“ Variante sein sollte, sondern die Familien individuelle Lösungen und Hilfen brauchen. Die Meinung teile ich. Keine zwei Familiensysteme sind gleich in ihren Bedürfnissen, daher sollten auch die Hilfen sich den Familien individuell anpassen und nicht die Familien sich den Pauschalisierungen der Hilfe anpassen, wie es derzeit geschieht. So lange das nicht erfolgt, wird der Krieg weitertoben. In Gerichtssälen, in Kurs- und Beratungsräumen und auf dem Rücken der Kinder.

Je mehr man allerdings hinter die Kulissen schaut, umso mehr gewinnt man den Eindruck, dass der gegenwärtige Kreislauf des Familienrechtes eine regelrechte Lizenz zum Geld drucken ist und daher der Wille, das Ganze zugunsten echter Individuallösungen zu beenden, ökonomischen Interessen untergeordnet wird.  

 

Wir ziehen eine gestörte Generation groß

Die renommierte Kriminalpsychologin Lydia Benecke sagte mit Blick auf Forschungen und Thesen des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsens Ende 2018 in der NDR Talkshow dazu: „Wenn man Kinder davor schützt, traumatisiert zu werden, dann ist das Verbrechensprävention für die nächste Generation.“ Hintergrund dieser Äußerung ist, dass ein hoher Psychopathie-Wert, der sich aus einer Summe von Persönlichkeitsstörungen – allesamt aus Traumata jeglicher Art in der Kindheit – ursächlich zusammensetzt, in Korrelation mit Genen und Einflüssen der Umwelt die zunehmende Wahrscheinlichkeit eines späteren problematischen oder kriminellen Verhaltens zur Folge hat.

Schon allein vor dem Hintergrund dieser empirisch belegbaren Zusammenhänge wird klar, warum breites Wissen auf Fachkräfteseite zwingend nötig ist. Nur mit Wissen ist es möglich, sinnvoll und nachhaltig einzugreifen, ohne durch allerlei unspezifische Hilfeangebote letztendlich den Konflikt zu befeuern und zu verschleppen. Dann käme es hoffentlich auch nicht mehr zu abenteuerlichen und jeglicher fachlichen Grundlage entbehrenden Schlussfolgerungen, wie z.B. die uns bekannte Aussage einer langjährigen Jugendamtsmitarbeiterin, die allein aus der Art wie die Mutter ein Blatt Papier des Kindsvaters auf den Tisch legte, schloss: die Mutter akzeptiere den Vater nicht als solchen. Die Kurse und Beratungen mögen alle grundsätzlich ihren Sinn haben und sicher auch Konstellationen, für die das genau die richtige Hilfe ist, aber alles hilft eben nicht jedem.

Und das ganze Geld – die jährlichen Kosten dürften mindestens 6-stellig sein – könnte für Sinnvolles wie die Bildung verwendet werden. Das täte auch unserem Fachkräftemangel und den nach wie vor ausbaufähigen Ergebnissen der PISA-Studie gut, beides für die langfristige internationale Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft essenziell, denn da hilft uns auch der beste Pendelmediator nichts.

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