Weil du ihm gehörst

Eine entsorgte Mutter hat sich den ARD-Film über ‚Entfremdung‘ angesehen und ihre Kritik mit Blick aus der Praxis als Betroffene aufgeschrieben. Wir veröffentlichen ihn hier anonym als Gastbeitrag.

Ich habe mich zunächst gesperrt, diesen Film überhaupt anzusehen. Aber als entsorgte Mutter, die – obwohl mir längst alles genommen – immer noch die Auswirkungen der Klischees deutlich zu spüren bekommt, die im Film geschürt und verbreitet werden, bin ich lieber informiert. Zumal die Diskussion nun auch im Mainstream angekommen ist. Die ständigen Ankündigungen des Films liefen schon seit Tagen. Da begegneten mir selbst im Supermarkt alte Damen, die darüber urteilten. Schon der Trailer hatte offensichtlich genügt, um Aussagen wie „so eine Rabenmutter“, „der sollte man das Kind wegnehmen“, „soll sie doch froh sein, dass der Vater nicht abgehauen ist“ zutage zu fördern – und das waren noch die freundlichsten Aussagen. Wie das für mich war, kann man sich vielleicht vorstellen. Ich möchte vorwegschicken, dass ich keine Umgänge verweigert oder sonst irgendwie dem Vater den Zugang zum Kind verweigert habe – das nur, um mir nicht vorwerfen lassen zu müssen, ich wäre genauso und jetzt jammerte ich hier über die Konsequenzen. Dem ist beileibe nicht so. Fakt am Rande: Der Vater unseres Kindes fährt eine weit härtere Strategie als die Mutter im Film. Von Empörung bei den Akteuren im System, den Wächtern des Kindeswohles jedoch: keine Spur. Es ist schon eigenartig, wie dasselbe Verhalten von Elternteilen je nach Geschlecht völlig unterschiedlich bewertet wird. Dass das keine nur gefühlte Wahrheit ist, kennen wir u.a. aus dem Strafrecht.

Mit zweierlei Maß

Insbesondere bei Partnerschaftsgewalt und Femiziden. Während bei Tötungsdelikten durch den Mann sich alle Mühe gegeben wird, eine Entschuldigung für sein Verhalten zu finden, gern so etwas wie: „er war verzweifelt“; „die Frau hat ihn dazu getrieben“ „sie hat ihn provoziert, er konnte gar nicht anders“, wird bei Frauen, die ihren Partner töten, allermeist Heimtücke angenommen und der Gesetzestext sehr streng ausgelegt. Da eine misshandelte Frau eher nicht die direkte Konfrontation mit ihrem Peiniger sucht, sei es aus körperlicher Unterlegenheit oder Angst, gehen Frauen (und das sind extrem wenige) eher den Weg über Gift oder erschießen im Schlaf. Damit ist formal jedoch der Tatbestand der „Heimtücke“ erfüllt (vgl. § 211 StGB) und folglich ein Mordmerkmal. Mildernde Umstände, wie „Verzweiflung“, „Angst“, „Provokation“, die bei Männern sehr häufig ziehen, werden hier selten bis gar nicht angewandt. Der „Mord-Paragraf“ stammt im Wortlaut übrigens aus einer Reform von 1941 und damit aus Hitlers Zeiten; der Ursprung dieses Paragrafen findet sich bereits 1871 im Reichsgesetzbuch, wäre also überfällig, modernisiert zu werden.

Zurück zum Film. Nach dem Anschauen bleibt bei mir vor allem eines zurück: ein großes Fragezeichen. Dass Väterverbände die Ausstrahlung des Films seit Wochen promoten, exzessiv teilen, jede sachliche Kritik mit Sätzen wie „die Kinderbesitzerinnen sind entlarvt“ beantworten und sich dafür feiern, zeigt deutlich, dass der Film alles ist, nur nicht neutral. Die ARD löschte übrigens zahlreiche Facebook-Kommentare, die den Film sachlich kritisierten und blockierte sogar einige User – aber nicht ihr sachlicher Ton war wohl das Unbequeme…

Für jemanden wie mich, die seit vielen Jahren durch die Mangel des Familienrechtssystems gedreht wird und jede Instanz, so ziemlich jeden möglichen Beteiligten, jede Art der Beratung, jeder Art der Begutachtung und auch so ziemlich jeden Kurs nicht nur kennt, sondern durchlaufen hat, weiß, wie weit weg der Film von der Realität ist. Er wirkt, wie ein Laie sich das eben so vorstellt. Menschen ohne meine einschlägige Erfahrung mag das nicht auffallen. Und genau darin liegt die Gefahr. Der Film wirkt über die klischeehaften Figuren, die immer wieder düstere Stimmung, die unheilschwangeren Musik und sehr vereinfachten und stereotypen Darstellung. In den Social Media-Kommentaren (und sicher auch an Stammtischen) feiert rund um den Film die Misogynie jedenfalls wieder fröhliche Urstände.

Die fröhliche Misogynie-Parade

Inhaltlich bedient dieses Machwerk ohnehin existierende Vorurteile. Denn Misogynie ist in unserer Gesellschaft nie aus der Mode gekommen. Wir sehen also eine Mutter, die aus Rache, wegen der nicht verarbeiteten Trennung, Eifersucht, Missgunst und schlicht grundständiger Bösartigkeit dem wundervollen Vater das Kind „wegnimmt“: Die Rache für den Betrug der „gehörnten“ Ehefrau. Vor lauter Boshaftigkeit belügt sie das Kind, das ja nie was anderes als den Vater wollte.
Ich habe das seit Tagen mit vielen Müttern diskutiert – die einhellige Meinung: eine Mutter wäre bei nur 5% dieses Handelns augenblicklich das Sorgerecht und die Kinder los. Und genau deshalb – weil das reale System da draußen so viel härter mit Müttern umspringt und sofort bestraft, während es Vätern allermeist lange Leine lässt (egal ob sie Umgangs- oder Betreuungselternteil sind) – deshalb ist dieser Film so schwer erträglich für betroffene, entsorgte Mütter.

Friedliche Trennung? Pustekuchen

Allein die Tatsache, dass die Eltern sich am OLG wiederfinden, ist schon Indiz dafür, dass es sich hier um ein strittiges Elternpaar handelt und nicht um eine friedliche Trennung. Ursachen für Strittigkeit liegen allermeist in der Paarbeziehung vor der Trennung, aber darüber erzählt uns der Film leider gar nichts.

Das Gericht hat gem. §156 FamFG auf Einvernehmen hinzuwirken, indem es „[…]auf Möglichkeiten der Beratung durch die Beratungsstellen und -dienste der Träger der Kinder- und Jugendhilfe insbesondere zur Entwicklung eines einvernehmlichen Konzepts für die Wahrnehmung der elterlichen Sorge und der elterlichen Verantwortung hin. Das Gericht kann anordnen, dass die Eltern einzeln oder gemeinsam an einem kostenfreien Informationsgespräch über Mediation oder über eine sonstige Möglichkeit der außergerichtlichen Konfliktbeilegung bei einer von dem Gericht benannten Person oder Stelle teilnehmen und eine Bestätigung hierüber vorlegen. […]“. Es verwundert daher sehr, dass bis kurz vor Ende des Filmes, also vor dem OLG, das sog. Cochemer Modell nicht zur Anwendung kommt, wo es doch angeblich DAS Lösungsmittel für alle Konflikte sei. (So wie uns das Wechselmodell permanent als DAS Lösungsmittel und Bollwerk gegen behauptete oder antizipierte Entfremdung verkauft werden soll.) Besonders verwunderlich ist dieser Umstand, da der Erfinder des Modells, Richter Rudolph a.D., bei der Produktion beratend zur Seite stand. Auch die Mainzer Studie hat gerade ergeben, dass dieses Modell von den Akteuren im Helfersystem (!) als wirksam betrachtet werde. Gleichwohl machen Betroffene sehr gegenteilige Erfahrungen, zum Beispiel von jahrelangen Endlos-Mediationsschleifen, slebst in Gewaltkontexten. Ein wenig kommt man sich als Betroffene vor wie ein Zirkustier, das vom Richter samt Helfersystem auf ein bestimmtes Normverhalten dressiert werden soll, das keine Abweichung duldet. Die Dressierenden fachsimpeln miteinander darüber, mit welchen Methoden das denn am besten gelinge. Wie es dem Objekt der Dressur damit geht? Interessiert niemanden. Entweder du springst, oder die Peitsche knallt. Erst recht, wenn du eine Frau bist. Die Mainzer Studie bestätigt jedenfalls die Ergebnisse der Fichtner-Studie für das DJI aus dem Jahre 2010, nach der über zwei Drittel der Betroffenen das Cochemener Modell und Varianten davon als völlig ungeeignet empfinden.

Eindimensionale Frauenfigur

Was der Film nicht erzählt, von einer solchen Geschichte aber nie getrennt werden kann: die Vorgeschichte des Paars, gerade die Phase vor der Trennung, bleibt im Dunkeln. Es wird nicht im Ansatz erkennbar, was die mögliche Motivation der Mutter für ihr Handeln sein könnte. Das verstaubte Klischee des fremdgehenden Mannes, der die Ehefrau mit einer jüngeren Frau erst betrügt und dann ersetzt, schmeckt wie alter Kaugummi. Der Verlust des Mannes ist in den Augen der Drehbuchautorin offenbar das Schlimmste, was einer Frau passieren kann. Ich möchte darum bitten, mal in den Kalender zu schauen. Da steht nicht 1955.

Offenbar ist dies aber gewollt, denn eine Mutter kann keinen „echten“, eigenen Grund haben, dem Vater kritisch gegenüberzustehen – außer einer persönlichen Kränkung. Wie eindimensional öffentlich-rechtliche Frauenfiguren immer noch sind – es ist grotesk. Dass solch ein plattes Bild einmal mehr eine Verhöhnung von Gewaltopfern ist, die genauso förderlich und zugewandt dem Vater gegenüberzustehen haben, wie Frauen mit Trennung aus anderen denn Gewaltgründen – das hätte die Autorin bei ihrer Recherche herausfinden können – wenn sie denn mal über den Tellerrand der Junk Science „PAS“ und des Narrativs der Väterverbände geschaut hätte.

Ein Blick in das CEDAW-Abkommen (UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau) hätte da schon Abhilfe geschaffen: Es wurde am 18. Dezember 1979 in der UN-Generalversammlung verabschiedet und gilt damit schon seit mehr als 40 Jahren. Die Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt) ist seit dem 1. Februar 2018 in Deutschland ratifiziert und hat damit Gesetzeskraft. Wirklich angewendet wird weder das eine noch das andere. Vielen Akteuren im Familienrechtssystem ist gerade die Istanbul-Konvention bestenfalls (!) vom Namen bekannt. (Andere Mütter wissen unterdessen illustre Geschichten aus deutschen Familiengerichtssälen zu berichten, in der Richter, auf die Istanbul Konvention hingewiesen, antworten, ausländisches Recht werde hier nicht angewandt.)

Figuren wie Holzschnitte

Insgesamt fällt im Film auf, dass der Vater durchweg als sozial eingebunden, positiv, besonnen und bindungstolerant gezeigt wird: bewusst mit einem Symphatieträger besetzt, auf dass ihm die Zuschauerherzen zufliegen. Die Mutter hingegen, offenbar bis auf Kontakt zu den Großeltern sozial eher isoliert, steht in grau hinter der Gardine und betrachtet argwöhnisch die „Neue“ an des Vaters Seite. Ich bin mit sehr vielen Trennungsmüttern vernetzt: Keine einzige von ihnen möchte den Ex-Partner zurück oder ist gar eifersüchtig auf die – in der Regel schnell gefundene, wie Fichtner 2010 schon feststellte – neue Partnerin.  Denn sind wir ehrlich: Wäre die Beziehung so super gewesen, hätte man sich nicht getrennt.  

Die Verspätungs-Situation bei der Ankunft an der Mutter-Wohnung ist für die meisten eine äußerst Wohlbekannte. Ich habe herzlich gelacht, als der Vater die Mutter anherrschte, sie hätten eine Vereinbarung. Ja, das haben sie, aber sein Zuspätkommen ist genauso ein Bruch dieser. Der Film bleibt jedoch weitere Details zu dieser höchstwahrscheinlich gerichtlichen Vereinbarung schuldig, um den Sachverhalt objektiv beurteilen zu können. Verzögerungen können passieren, das ist keine Frage, aber es ist ein Unterschied, ob es 15 Minuten oder 2 Stunden sind. Es gibt keine klare Regelung, welche Verzögerung zumutbar ist, aber es ist sicherlich Konsens, dass kein Elternteil ewig warten muss, bis der andere eben erscheint. Sehr seltsam fand ich, dass der Vater der Mutter sagt, er hätte sie angerufen, gleichzeitig sagt das Kind, es hätte den Vater nicht erreicht. Offenbar ist der Vater genauso wenig ans Handy gegangen wie die Mutter, so dass eine verbindliche Absprache nicht möglich war. Eine Nachricht an das Mädchen wäre sicher auch eine Möglichkeit gewesen. In dem nun folgenden Streitgespräch darum zieht der Vater nun das Kind mit in den Konflikt, indem er, vor dem Kind, die Mutter fragt: „Warum lügst Du sie an?“ An dieser Stelle fehlt mir eine Art Erzähler, irgendeine fachliche Begleitung, denn genau solche Dinge, auch die Mutter äußert später im Film derartiges, verstößt klar gegen die Wohlverhaltenspflicht gem. § 1684 Abs. 2 BGB und – davon unabhängig – zieht es das Kind mitten in den Konflikt und schafft damit einen „guten“ Elternteil und einen „bösen“.

Die Bösen sind hier immer die Frauen und ihre Unterstützer

Seltsam ist ebenso, dass der Vater nicht einmal versucht, die Großeltern mütterlicherseits anzurufen. Die Mutter war mit dem Mädchen nun nicht auf dem Mars. Zumindest nachfragen wäre möglich gewesen. Auch wenn die Großmutter mütterlicherseits hier als „graue Eminenz“ im Hintergrund dargestellt wird, die auch das Label „böse“ von den Filmemachern verpasst bekommen hat. Das kennen übrigens viele betroffene Mütter. Die eigene Mutter wird von der Gegenseite regelmäßig als die eigentliche Drahtzieherin bezichtigt. Das macht aus prozesstaktischer Sicht für den streitenden Vater sogar Sinn. Immerhin muss doch das Bild einer bindungsintoleranten, isolierten Kindsmutter, die unselbständig, überfordert und lebensuntauglich ist, erzeugt werden. Als Gegenpart wird ein Kindsvater inszeniert, der schnell Anschluss in einem neuen Familienverbund gefunden hat, die präsentiert wird wie eine Familie aus der Margarinewerbung. Mehr Schwarz-weiß geht wirklich nicht.    

Nach der Diskussion gibt es einen Gesprächswunsch des Vaters, dem die Mutter nachkommt. Das „Du lässt mir keine Wahl, Du hast mich gezwungen einen Anwalt zu nehmen!“ des Vaters, erinnert mich stark an das „er konnte nicht anders“ in Partnerschafts-Gewaltfällen. In dem Klärungsversuch-Gespräch wirkt die Mutter im Gespräch unterwürfig, schafft es kaum, den Vater anzuschauen, geschweige denn auf Augenhöhe zu argumentieren. Der sorgende Ex-Mann hat natürlich schon einen Tee für die Ex-Frau bestellt. Wie subtil. Da freut sich das Herz des ARD-Zuschauers. Ich bin mir sicher, die Mutter hätte allein entscheiden können, ob und was sie trinken möchte und bestellen wäre sicher auch ganz ohne Hilfe gegangen. Oder ist das ein Wink mit einem Zaunpfahl, dass Unterwürfigkeit das gewünschte Verhalten von Frauen ist? Schließlich beschreibt der Vater später dieses Gespräch als gut. Solange Frau kuscht und brav ist, ist die Welt in Ordnung – ist das tatsächlich immer noch das Frauenbild?

Spontaner Umzug bei GSR in der Realität utopisch

Die Mutter zieht dann „spontan“ um. 3 Stunden entfernt, in die Nähe der Großeltern. Es wird suggeriert sie sei damit quasi unauffindbar für den Vater. In der Realität ist das nahezu unmöglich. Es wird im Film mehrfach gesagt, dass gemeinsames Sorgerecht bestehe (was in den meisten Fällen so ist). Damit kann die Mutter also das Kind weder an der alten Schule abmelden noch an einer neuen Schule anmelden. Auch bei der Ummeldung im Bürgeramt dürfte es zumindest Fragen gegeben haben. Ohne die Unterschrift des anderen sorgeberechtigten Elternteils geht nämlich in der Realität überhaupt nichts. Das ist also schlicht falsch dargestellt und will den Eindruck vermitteln, die Mutter wäre allmächtig und Trennungsväter wären bedauernswerte Opfer, denen unbedingt geholfen werden muss. Dieses Opfer-Narrativ des armen Vaters ist nachweislich genau das: nur ein Opfer-Narrativ.  Väter sind schon seit Jahren nicht mehr die armen Opfer der grausamen Mütter: die Gesetzeslage unterbindet das schon seit langem und macht Mütter allerrmeist nahezu bewegungsunfähig. Einfach umziehen, gar hinter seinem Rücken – utopisch.

Vaterverhalten bleibt völlig unhinterfragt

Was erschreckender Weise komplett unkommentiert bleibt, ist die übergriffige Art des Vaters. Taucht unangemeldet auf, stellt forsche Forderungen. Versucht, die Großmutter vom Schließen ihrer Tür abzuhalten. Ausbrüche des Vaters geschehen im Film häufiger, auch gegenüber seiner neuen Freundin. Aber vermutlich fällt auch das in die Kategorie „er konnte nicht anders“.  Auffällig ist die Wortwahl des Vaters, der als das Opfer als rechtlich unbefleckt dargestellt wird.

Der Anwalt der Mutter empfiehlt unverhohlen eine Verhaltenstaktik, die vielfach von Väterrechtlern empfohlen wird, wie ich mir habe erzählen lassen. Tatsachen schaffen, so viele Vorwürfe wie möglich, um alles und jedes streiten, um nur einige zu nennen. Dass der Verfahrensbeistand nach Auskunft des mütterlichen Anwalts schon lange mit ihm erfolgreich zusammenarbeitet, passt gut zu der Tatsache, dass Väterrechtsvereine seit Jahren Fachkräfte und insbesondere Verfahrensbeistände in ihrem Sinne ausbilden. Verfahrensbeistände bieten sich geradezu an, denn sie sind in einem Verfahren quasi nicht loszuwerden und können genauso eigene Anträge stellen wie die Eltern.

Mit dem Handgemenge bei dem, ich möchte schon sagen, überfallartigen Besuch des Vaters, bekleckern sich beide Eltern nicht gerade mit Ruhm. Die Reaktion der Polizei mit einen Näherungsverbot nährt das Klischee der Mutter, die „alles behaupten“ könne, um den Vater loszuwerden und damit „durchkämen“. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus: Selbst bei nachgewiesenen, dokumentierten Straftatbeständen ist in der Regel die Antwort der Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens mit der Begründung, der Vorfall sei „ein Ausfluss der familienrechtlichen Auseinandersetzung“ oder läge „nicht im öffentlichen Interesse“.

Nach der Gerichtsverhandlung ließ mich der Satz des Vaters aufhorchen, die Mutter hätte gar nicht umziehen müssen; wenn die Wohnung zu teuer gewesen wäre, hätte er doch etwas „dazugegeben“. Der Vater wohnt recht großzügig im eigenen Haus, die Freundin verdient vermutlich ebenfalls Geld. Insofern – da es sich ja schließlich um einen Muster-Vater handelt – müsste der Unterhalt in überdurchschnittlicher Höhe da sein. Der Hinweis des mütterlichen Anwalts, sie möge die Rechnung doch bitte diesmal zeitnah bezahlen, lässt vermuten, dass es finanziell, wie bei den meisten alleinerziehenden Müttern, eher eng ist.

Kontaktverbot: Film vs. Praxis

Wirklich merkwürdig ist die Nummer nach dem 3-monatigen Kontaktverbot. Zum einen ist es ungewöhnlich, dass das Kind in einem solchen Fall nicht angehört wird und damit informiert ist über die Anträge der Eltern. Und zum anderen finde ich ein 8-jähriges Kind, das weiß, dass die Eltern bei Gericht sind, aber nicht fragt, was herausgekommen ist, seltsam. Noch seltsamer wird es, dass die Kontaktsperre 5 Wochen offenbar eingehalten wird, was kein Umgang bedeutet, und dann bringt die Mutter das Kind zum Ferienumgang. Das dürften auch jüngere Kinder mehr als merkwürdig finden und Fragen stellen. Hier passiert das nicht. Sicherlich aus dramaturgischen Gründen, denn so wirkt die Mutter wesentlich bösartiger. Der Vater agiert auch komisch. Erst lamentiert er wegen des geplanten Urlaubs und dass er das dem Kind sagen müsse, wirkt ganz verzweifelt. Aber offenbar hat er sich schnell gefangen und fährt in den Urlaub. Also ich hatte nie ein Kontaktverbot oder ähnliches, aber durchaus mehrwöchige Umgangsausfälle. Das letzte, was mir in den Sinn gekommen wäre, wäre Urlaub gewesen.

Der nächste Zeitsprung sind dann 10 Wochen. Nach meiner Rechnung sind 3 Monate ja 12 Wochen und nicht 15. Die Träger für begleiteten Umgang, hier sogar das Jugendamt selbst, haben zwar Planungsvorlauf, aber keine 4 Monate. Da das Kontaktverbot begrenzt war und ein begleiteter Umgang gerichtlich beschlossen werden muss (vgl. §1684 BGB), ist es unrealistisch, dass das Gericht und das Jugendamt, das hier offen parteiisch für den Vater agiert, 3 Wochen „dazugibt“. Auch ist die Übergabesituation unrealistisch. Bei strittigen Verfahren wie diesen, in denen es sogar ein Kontaktverbot gab, findet die Kindesübergabe nicht in Gegenwart beider Eltern statt, vor allem, um das Kind eben aus der „roten Zone“ zu nehmen.

Die Fachprofessionen

Jugendamt & Gutachter

Die Sachbearbeiterin des Jugendamtes ist, wie viele Mütter sie wohl selbst kennen. Nicht neutral und Anhängerin von PAS. Dieses Konstrukt geistert seit Jahren durch die Köpfe aller Akteure im Familienrecht, trotzdem es massiv umstritten ist und von relevanten Wissenschaftsverbänden international als unwissenschaftlich abgelehnt wird. Vor Gericht wird er meist in andere Begriffe verpackt, am häufigsten als „Bindungsintoleranz“.  Interessant, dass eine Sozialarbeiterin des Jugendamtes psychologische Krankheitsbilder diagnostizieren kann, so ganz ohne Qualifikation und ohne Untersuchung jeglicher Art. Aber da es hier im Sinne es Vaters ist, kann man über solche Kleinigkeitenschon mal hinwegsehen. „Pro Mutter“ sähe das anders aus. Aber wie wir Klischee- und Schubladenmütter so sind, wir manipulieren und instrumentalisieren zur Not auch telepathisch Fachkräfte, die wir noch nie gesehen oder gesprochen haben.  (Vielleicht schaffen es deshalb sogar manche Gutachter, per Anamnese reinen Aktenpapiers Müttern die tollsten Pathologien anzudichten, ohne sie je in personam gesehen geschweige denn mit ihnen gesprochen zu haben…)

Als die Freundin des Vaters von PAS anfängt, sind die Lösungen, die dem Vater hypothetisch dazu einfallen: der Mutter eine reinhauen oder das Kind entführen. Also in jedem Fall Gewalt anwenden. Ist auch nicht so schlimm, denn wir haben ja gelernt: „er konnte ja nicht anders“, „sie hat ihn provoziert“.

Staatsanwaltschaft & Gewaltschutz

Dann erzählt der Film von ungemessenen Fotos, die als Begründung für die Einleitung eines sogenannten Kindeswohlgefährdungsverfahrens nach §1666 BGB herangezogen werden. Diese muss es ja geben, und diese wären damit auch beurteilbar. Bei Gewalt gegen das Kind ist die Regel ein Glaubwürdigkeitsgutachten, ob nun forensisch oder aussagepsychologisch, bleibt dem Gericht überlassen. Bei diesen Dingen handelt es sich in der Regel um Offizialdelikte. Das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft eine strafbare Handlung von Amts wegen verfolgen muss (anders, wenn die Frau Opfer häuslicher Gewalt ist: dann ist es nämlich nur ein Antragsdelikt und muss nicht von Amts wegen verfolgt werden). Dem Zuschauer wird die Existenz dieser Fotos aber nicht gezeigt.

Ebenso hätte die Schnittwunde in der Hand des Mädchens fachlich beurteilt werden müssen. Die forensische Medizin, z.B. wie in der Gewaltschutzambulanz in Berlin unter dem renommierten forensischen Pathologen Prof. Dr. Michael Tsokos praktiziert, ist so weit, dass eine zeitliche Einordnung des Entstehens der Wunde kein Problem gewesen wäre. Aber so weit geht der Film dann nicht. Ich nehme an, die Wunde ist ein metaphorisches Bild für die Wunde in der Kinderseele. Auch diese Darstellung passt zum Tenor des Films.

Die Darstellung der Gutachten passt ebenfalls dazu. Ich mutmaße, es ist ein Gutachten zur Erziehungsfähigkeit, welches die Frage nach einem kindeswohldienlichen Umgangsmodell beantworten soll. Die Dame schreibt nichts auf, nimmt nichts auf, aber entlarvt durch das nervöse Drehen des Kaffeelöffels der Mutter deren Unsicherheit. Ein sicheres Diagnosewerkzeug: „Umgang mit dem Kaffeelöffel“. Statt offen zu kritisieren, dass 75% der Gutachten schon formal falsch sind, was nicht nur Prof. Leitner nachwies, sondern ebenso die Fernuni Hagen, und dass teilweise Gutachter über das Leben von Familien entscheiden, die fachlich nicht geeignet sind, fällt das mal eben hinten runter. Sehr schade, denn das ist in der Tat ein Thema, das Mütter und Väter massiv betrifft. Es gibt Fälle, in denen Menschen mit geradezu abenteuerlichen Qualifikationen, z.B. als Tanztherapeutin, Gutachten erstellt haben. Hier besteht massiver Handlungsbedarf! Und zwar für Mütter und Väter gleichermaßen. Aber auch hier gilt ähnliches wie beim Jugendamt (und auch allen anderen Fachkräften): Aussagen pro Mutter sind grundsätzlich manipuliert, Aussagen pro Vater sind völlig neutral.

Der freundliche PAS-Aktivistenpapa

Auf die Begegnung auf dem Fußballplatz der verlorenen Väter habe ich den ganzen Film schon gewartet. Natürlich ist der andere Vater sozial engagiert und eingebunden. Natürlich wurde er auf bösartigste Weise entsorgt, bis er nicht mehr konnte und aufgegeben hat. Welch Glück, dass so viele Vätervereine existieren, die diese armen gepeinigten Seelen stützen. So fällt auch nicht auf, wie viele Väter sich als Opfer von Umständen darstellen, die sie selbst erst erschaffen haben. 6 Jahre, 8 Ordner habe der verlorene Vater angesammelt. Ich habe 39 Ordner zu bieten, angesammelt in einem kürzeren Zeitraum.  Dass das ideologische Konstrukt PAS, für das der Aktivistenpapa fleißig wirbt, seit Jahren als unwissenschaflich entlarvt ist und dessen Design eindeutig misogyne Stereotype bedient, verschweigt der Film völlig.

Figuren erfüllen nur Funktionen

Wenn man sich die Darstellung der Akteure anschaut, wirkt einzig der Vater und teilweise noch das ihm zugeordnete Personal freundlich. Die ihm beigeordneten Frauen – Freundin, eigene Mutter, Anwältin – sind auch positiv inszeniert. Die Mutter von Anni hingegen wirkt unsicher und ängstlich, schließlich bösartig. Ihre eigene Mutter fungiert als Projektionsfläche des Drachen. Der Mutter-Anwalt schrammt hart an der Legalitätsgrenze vorbei. Die Gut- und Böse-Labels sind also in diesem Film klar verteilt, schließlich haben sie alle eine Funktion zu erfüllen.

Auch die Darstellung der Tochter hat mit einem Kind in dem Alter – im Film feiert sie 8. Geburtstag – sehr wenig zu tun. Einerseits wird sie wie eine vollmanipulierte Aufziehpuppe der Mutter dargestellt, die vor Sehnsucht nach dem Vater nicht in den Schlaf findet und ihn x-Mal anruft. Andererseits entscheidet sie sich kurz vor Ende des Filmes, sich ohne Anlass in die Hand zu schneiden und den „lass mich in Ruhe“ Brief an den Vater zu schreiben. Mit 8 Jahren sind die Kinder in der Schule, dort gibt es nicht nur andere Kinder, sondern auch Lehrer. Es ist ungewöhnlich, dass das Mädchen sich niemandem mit seiner Sehnsucht nach dem Vater anvertraut.

Der OLG-Richter reißt am Ende des Filmes das Lenkrad herum und biegt nun endlich ein in das Cochemer Modell – und droht gleich beiden Eltern, wenn sie nicht parieren. Warum am OLG plötzlich statt der üblichen 3 Richter nun einer entscheidet und der Verfahrensbeistand neben dem Richter sitzt, erschließt sich mir nicht. Aber da der Film ohnehin voller fachlicher Mängel ist (wo bleibt denn da die Fachberatung, Herr Rudolph?), ist es auch schon egal. Ich hoffe, dass Fachkräfte erkennen, wie tendenziös auch sie selbst dargestellt werden.

Als Rechtsanwalt, der Mütter rechtlich vertritt, hätte ich ein erhebliches Problem damit, als Winkeladvokat am Rande der Legalität dargestellt zu werden. Als Jugendamtsmitarbeiterin wäre ich ebenfalls mit der Darstellung mit Kaffeetasse und alles andere als neutral nicht besonders glücklich. Insgesamt ein Film, der eine flache Handlung hat, Klischees und Stereotype noch und nöcher bedient. Alles in allem ziemlich genau das, was man erwartet, wenn man weiß, wie einschlägige Vätervereine agieren. Es ist für meinen Geschmack geradezu plump und es fällt auf, das eigentlich jede taktische Empfehlung, wie man als Vater der „Kindesbesitzerin“ beikommt, hier in 83 Minuten gepresst wurde. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn man sich mehr Mühe gegeben hätte und nicht nur den Vater als 3-dimensionale Figur dargestellt hätte. Ein solcher Konflikt ist ebenso wie die Akteure vielschichtig und einer ständigen dynamischen Veränderung unterworfen. Gerade die Lagerbildung in Gut und Böse ist eines der Kernprobleme. Eine Individualbetrachtung eines jeden Falles brächte wesentlich sinnvollere und passgenauere Entscheidungen für alle Beteiligten also solche Schablonen wie im Film. Auch wenn plakativ das Kindeswohl als Maß aller Dinge beschworen wird, macht dieser Film deutlich, worum es wirklich geht – um Sieg von Männern. Vaterschaft als Instrument, um die Frau zu kontrollieren und ihr den Platz anzuweisen, den Mann für richtig und passend hält. Und das Kind? Nun, ist es ein Mädchen, lernt es gleich, wo ihr Platz und was ihre Rolle ist. Ist es ein Junge, lernt er gleich, dass er die Macht hat und etwas Besseres als ein Mädchen ist.

Ich empfehle hier nochmals den Blick in den Kalender und auf das Jahr, in dem wir uns befinden, und schließe mit einem Auszug aus Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […]

photo: jmpaget / Canva-Getty

9 thoughts on “Weil du ihm gehörst

  1. Danke! Damit ist wirklich alles gesagt. Leider wird es die allermeisten „Filmbegeisterten“ nicht erreichen. Die einen nicht, da sie zum Väterrechtler Lager gehören und die anderen nicht, da man sich bei Klischeehaften Filmen so schön berieseln lassen kann und nicht nachdenken, sich belesen und eine kritische Meinung bilden muss…

  2. Der Film ist widerlich und pervers… und sowas in einer Zeit mit Menschen, die sich als aufgeklärt und liberal definieren wollen. Ein so emotionales Thema und die Bedeutung für das Leben der Beteiligten, vorallem für das Leben des Kindes, für immer gefangen im Konflikt der Eltern, derart plakativ und plump darzustellen, ist bösartig und fördert das Besitz- und Machtdenken der „modernen, neuen, plötzlich aktiven Väter“, die sich ihr Selbstwertgefühl und ihre vermeintlichen Rechte von Väterlobbyisten aufpolieren lassen. Hurra, diese Welt geht unter!
    Danke an diese mutige Mama – ein Vorbild!

  3. Auch auf die Veröffentlichung meines Kommentares musste ich verhältnismäßig lange warten. Schlußendlich durch eine Anfrage per mail jedoch bewirken, daß er aufgenommen wurde:

    》Ich möchte ganz deutlich festhalten, daß PAS nicht grundsätzlich von Müttern bzw Alleinerziehenden ausgeht.
    Solange sich jedoch dieses Bild breit macht, wird sich m.E. nichts an PAS ändern. Im Gegenteil, es wird allenfalls verlagert.
    Im nachhinein kann ich festhalten, daß die Entfremdung z.B. in meinem Fall bereits lange vor der Trennung anfing.
    Heftig finde ich persönlich, daß sich diverse „Entfremdete“ aktiv in der Öffentlichkeit präsentieren. Jedoch hinter den Fassaden genau das System PAS gegen Betroffene weiter praktizieren. So erlebte ich es in einer realen Gruppe unserer Region zum Thema. Daher stelle ich mir heute nur noch die Frage, wer in der Tat die tatsächlichen Entfremder sind. Die betreuenden Eltern /-teile, oder die, die sich öffentlich als „ausgerenzte“ ihrer Kinder deklarieren?
    Solange all das weder erkannt, gar bewusst ignoriert wird, wird PAS m.E. NIE verbleiben.《

  4. Vielen Dank für den fantastischen Bericht. Aufgrund mutiger Mütter wie sie, konnte ich mir dieses Schicksal ersparen. Viele Frauen klärten mich schon immer auf und so zögerte ich mit meinem Ex-Partner Kinder zu bekommen, trotz starkem Wunsch in mir. Heute 5 Jahre nach der Trennung und einem Wechselmodell für unsere Hunde, bin ich jeden Tag dankbar, dass ich mit ihm kein Kind bekommen habe. Schon die Erläuterungen dazu, dass Hunde genug Auslauf brauchen und einen Napf mit Wasser, der nicht mehrere Tage leer sein kann, sind ermüdend. Auch er ist der „Liebling“ aller. Er tut nichts. Nichts Gutes, nichts Schlechtes. Seine Bedürfnisse erfüllt er teilweise und sucht sich immer einen hochempathischen Partner, der alles für ihn tut und an alles für ihn denkt. Im Trennungsfall mit Kindern wäre die Katastrophe auf mich und die Kinder hereingebrochen. Die Trennung an sich war für sein Umfeld Abbild meiner Täterschaft. Mein Ex-Freund musste sich sogar in die Lage begeben darüber aufzuklären, dass das Bild welches sein Umfeld von mir zeichnete in keinster Weise wahr ist. Er sagt offen, dass er ohne mich nie an den Punkt der Selbstständigkeit und Erfolgs gekommen wäre, an dem er ist. Das ist schon grotesk, wenn der eigene Ex seinem Umfeld sagen muss, dass er nicht Opfer ist. Und auch ein Einzelfall, wie ich weiß. Zeuge ich Kinder, dann anonym in einem Kreis liebevoller Menschen und sicher nicht in Deutschland. [Satz gelöscht, da Verstoß gegen Nettiquette] Ich sehe derzeit keinen Grund davon auszugehen, dass sich das ändern wird. Vielmehr hat es ein Ziel und es ist seit 20 Jahren eine Verschlimmerung der Lage zu beobachten.

  5. Der Film beschreibt, das, was täglich in der Realität passiert. , aber in der Öffentlichkeit nicht oder zu wenig bekannt ist. . Deshalb ist es gut, dass er ausgestrahlt wurde.

    1. Nein, der Film zeigt, was viele glauben (wollen), das passieren würde. Das hat aber mit Fakten wenig zu tun. Der Film framt Entfremdung völlig unzulässig ausschließlich als Ergebnis von Manipulation durch einen Elternteil. Das steht in eklatatem Widerspruch zum Stand der Forschung. Entfremdung ist nicht mehr als eine Zustandsbeschreibung, deren Ursache sehr verschieden sein kann. Entfremdung im Sinne von Manipulation macht gem. Forschung den kleinsten Teil von Entfremdungssituationen aus, nämlich im geringen einstelligen Prozentbereich. Alle anderen Entfremdungssituationen können auf je andere Ursachen zurückgeführt werden. Die häufigste Ursache für Entfremdung: Elternteile (meist Väter), die nach der Trennung keinerlei Interesse mehr an ihren Kindern zeigen und einfach auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Komischerweise wird das überhaupt nicht skandalisiert.

  6. Ich fand den Film für eine ÖR-Produktion sehr gelungen. Hat mir gut gefallen. Klar waren kleine Fehler drin, aber die Kernproblematik inkl. ihrer Dynamik war sehr gut abgebildet. Bindungsintoleranz gibt auf jeden Fall. Bei PAS bin ich aber auch kritisch. Grüße, Rudi

  7. Danke für deine Review des Films! Auch ich habe mit mir gekämpft, ob ich den Film sehen möchte. Und auch ich habe ihn angeschaut. Mir wurde einiges klarer, wie in meinem Fall der KV mich immer mehr aus dem Feld räumte. Da wurden auch alle möglichen Begriffe gezogen und auch solche Sätze, wie „ich bringe das Kind ihr nicht zurück“ im Jugendamt – ganz ohne Intervention der Beamtin. Oder auch „ich habe mich über das Jugendamt informiert und ich muss etwas mitteilen – meine Tochter wird von ihrem neuen Mann geküsst, sie kennt denn nur ein paar Monate. Ich liebe sie, aber immer weniger – weil sie sich eben so verhält“… Da hst du recht: der Mann ist verzweifelt. Ich sagte meinerseits, dass er mich stalkt und stundenlang vor meinem Haus in der Straße steht – die Beamtin erklärte mir, dass die Straße ja öffentlich ist, da kann er auch stehen! Mir kommen so einige Situationen hoch, die ich damals nur als ungerecht empfand, aber gar nicht wirklich zuordnen konnte. Das ist eben das Perfide: Du wendest dich an das System, die so die Annahme täglich mit solchen Fällen zu tun hat und du von Erfahrung und Hilfestellung dieser Leute lernen willst – doch du lernst, nicht mehr dorthin zu gehen, denn sie machen alles nur schlimmer. Der KV in meinem Fall hat überall gelernt, dass er mich ohne Grund und Beweis beschuldigen kann und wenn es mal nicht klappt (1 mal gewesen, aus dutzenden Fällen) – dann entschuldigt man sich und keiner ist böse. Die Richterin guckt weg und sagt dann „wenn sie jetzt nicht zustimmen, dann beschliesse ich das und sehen sie zu, wie sie damit zurechtkommen“. Das ist die Realität!

    So wie ich dem Vorwort deines Artikels entnehme, hast du deine Kinder an den KV verloren. Es fühlt es sich irgendwie krankhaft, zu „dimensionieren“ – wie bspw. dein Fall ist schlimmer als meins, wo es ja jeder Fall ein Fall zu viel ist!!! Jedenfalls wüsste ich nicht, was ich tun würde, als entsorgte Mutter. Darum Hut ab für deine Mut ! ich wünsche dir sehr viel Kraft und – so wie es aussieht – eher unheimlich viel Glück in deiner Situation, als dass plötzlich ein Sehender aus dem System dir Hilfe leistet.

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