Unterhaltsprellen: Einer betreut und bezahlt, der andere nicht

photo credit: Caroline Hernandez / ISOrepublic

Gemeinsame Erklärung des „Aktionsbündnis‘ gegen Unterhaltsprellen“

Berlin, den 8. März 2019 – Das Problem des Unterhaltprellens zulasten der Steuerzahler wird derzeit öffentlich breit diskutiert – zurecht, findet das frisch geschmiedete „Aktionsbündnis gegen Unterhaltsprellen“. Dieses hat nun eine gemeinsame Erklärung herausgegeben, in der es Unterhaltsschuldner, die nicht zahlen, auffordert, ihren elterlichen Pflichten nachzukommen. Damit sollen die statistisch eindeutig belegte Not und  die damit verbundene Schädigung vieler Kinder und der sie betreuenden Elternteile abgewendet bzw. abgefedert werden.

Zugleich würdigt das Bündnis all jene, die ihre Verpflichtung teils auch unter schwierigen Bedingungen erfüllen, um ihre Kinder abzusichern. „Diese werden durch das Verhalten der Unterhaltspreller ebenfalls in Misskredit gebracht, auch wenn sie nur wenig oder gar nichts zahlen können, obwohl sie wollen. Unterhaltspreller beschädigen die Anstrengungen aller anderen, ihre Kinder abzusichern, damit diese trotz Trennung gut aufwachsen können“, sagt Dr. Christine Finke, Mitglied des Aktionsbündnisses und eine der Erstunterzeichnerinnen der Erklärung.

Nach Giffeys gestriger Äußerung zu Vätern & Unterhaltsreduktion zulasten der Betreuungs-ET haben wir unsere Erklärung des Aktionsbündnis gegen Unterhaltsprellen etwas angepasst und als Online-Petition bereitgestellt.

Jetzt mitzeichnen!

 

Die Politik ist gefordert
Andererseits nimmt die Unterhalts-Resolution auch die Politik in die Pflicht: „Wenn Sie sich bewusst machen, dass 50 Prozent der Trennungskinder gar keinen Unterhalt vom anderen Elternteil erhalten und rund 25 Prozent weniger, als ihnen als Existenzsicherung zusteht, und diese Absicherung dann vom Steuerzahler aufgefangen werden muss, hat die Politik eine eindeutige Handlungsnotwendigkeit“, sagt Caroline Brandes vom Verein kjh-mov(e) e.V. i.G. und Initiatorin des Aktionsbündnisses. „Die Politik muss schnell dafür sorgen, dass jene, die zahlen können, aber nicht wollen, stärker herangezogen werden“, so Brandes weiter. Deshalb müssten zahlreiche Schlupflöcher für Unterhaltspreller endlich gestopft werden, über die sie sich zulasten der Allgemeinheit aus der Verantwortung ziehen. Dafür müsse die Politik nicht nur gesetzlich nachsteuern, sondern auch die Behörden mit entsprechenden Kompetenzen und Mitteln ausstatten, so eine Forderung des Aktionsbündnisses.

Sybille Möller, Vorsitzende der Initiative MIA, weist darauf hin, dass die heutige Situation vieler Alleinerziehender in der Realität gar nicht dem Modell – eine_r betreue, der_die andere zahle – entspricht: „In rund der Hälfte der Fälle haben wir es eher mit der Variante ‚eine_r betreut und zahlt, der andere Elternteil tut nichts davon‘ zu tun. Für diese Nichtübernahme elterlicher Pflicht springt der Staat mit Steuermitteln ein. Wenn dies aufgrund von Unwillen geschieht, geht das die gesamte Gesellschaft an“, so Möller.

Claire Funke, Carearbeits-Aktivistin und ebenfalls Mitglied des Aktionsbündnisses, betont: „Wir brauchen einerseits einen deutlich höheren Mindestlohn, damit Eltern überhaupt in der Lage sind, ihre Kinder zu ernähren. Andererseits dürfen die Bedürfnisse der Kinder nicht allein dem Primat der Erwerbsarbeit geopfert werden. Betreuungszeiten und Carearbeit sind ebenfalls Arbeit – sie werden jedoch bis heute nicht als solche anerkannt und die Carearbeiter_innen dafür ökonomisch bestraft. Hier brauchen wir einen Wertewandel in der Gesellschaft, damit Kinder in unserem Land gut und geborgen aufwachsen dürfen.“

Die Gemeinsame Erklärung des Aktionsbündnisses steht allen Personen, Vereinen, Verbänden und Unternehmen offen, ebenfalls mitzuzeichnen.
Das Aktionsbündnis gegen Unterhaltsprellen wird getragen von den bekannten Bloggerinnen und Aktivistinnen Dr. Christine Finke und Claire Funke sowie kjh-move e.V. i.G. und der MIA – Mütterinitiative für Alleinerziehende. e.V. i.G. Neben ihnen zählen außerdem die Selbsthilfegruppe „Entsorgte Eltern- und Großeltern“, Meitingen, sowie Witte Financial Services zu den Erstunterzeichnern.

Nach Giffeys Äußerungen zu Vätern und Unterhaltsreduktion haben wir unsere Erklärung angepasst und als Petition  online gestellt. Jetzt mitunterzeichnen! Gegen Unterhaltsprellen und Kinderarmut!

 

Weitere Unterzeichner_innen der Gemeinsamen Erklärung gegen Unterhaltsprellen:

(Liste wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert)

Sandy Kirchner

Henrike Neuenfeldt

Antje Jaeger

Heidi Duda

Karla Bertram

Franziska Fiedler

Ildikó Áts

Anja Kley

Dr. Martina Wanke

Großelterninitiative Osnabrück, Dissen und Bad Rothenfelde

Nina Siebold

Sandra Becker

Kora Kukuj

Iris Heyen

Daniela Zeissler

Tanja Loebert

Renate Gies

Elisabeth Appel

Dr. Bettina Kähler

Paula Nowak

Elke Prinz

Eva Wittl

Birgit Orgeldinger

Juliane Lehmann

Feministische Partei DIE FRAUEN, Bundesmitfrauenverband Berlin

Daniela Nitsche

Sina Osterburg

Elga Menning

Anna Noack

Kirsten Evers

Kerstin Ferioli

Doreen Borchert

Natascha Klatt

Gerrit Heyden

Michaela Klingbeil

Dr. Gina Saiko-Kaiser

Simone Lürssen

Ilka Rahmelow

Barbara Kögler

Yvonne Riese

Alexandra Wenzel

Sandra Wabulat

Melanie Lindner

Carmen Horsch

Iris Bahr

Nanna-Josephine Roloff

Tim Leuschner

Kathrin Sägner

Silvia Rother

Ellen Wittke

Nadine Dworacek

Doreen Goldhahn-Golla

Angela Hecht

Bettina Rothe-Danescu

Sonja Lehnert

Kiana Flemming

Klaus Ehler

Lena Czipull

Nadine De March

Marion Böhnke

Ina Tamo

Alexandra Glenz

Katharina Roloff

6 thoughts on “Unterhaltsprellen: Einer betreut und bezahlt, der andere nicht

  1. Man sollte es mal von der anderen Seite aufrollen:
    Wieviele der „nichtzahlenden“ Männer können nicht zahlen, weil sie nicht genug verdienen?
    Wieviele Männer wurden als Väter von den Müttern durch die deutsche Scheidungs“industrie“ entsorgt, dürfen ihre Kinder aus nichtigen oder im schlimmsten Falle erlogenen Behauptungen nicht sehen?

    Ich habe Verständnis für jeden, der sagt: „Ich gehe voll arbeiten und mir bleiben davon die nächsten 20-25 Jahre 1080 Euro übrig, von denen ich für mein Leben alles bezahlen soll: Wohnen, evtl. Auto um erwerbstätig sein zu können (!), Nebenkosten, Nahrungsmittel, private Altersvorsorge. Ich kündige und werde arbeitslos, da habe ich genau so viel!“

    Desweiteren hat sich die Politik dieses „Problem“ durch die Ausweitung des Unterhaltsvorschusses bis zum 18. Lebensjahr (vorher 12. Lebensjahr) selbst verschuldet. Die, die vorher nicht zahlen konnten/wollten, werden es jetzt auch nicht tun.
    Gleichzeitig häufen die Unterhalts“preller“ Unterhaltsschulden beim Staat an, die nicht durch Insolvenz verfallen können. Wohlwissend, dass sie finanziell in diesem Leben keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen, lassen sie es lieber gleich sein.

    Zu guter Letzt: Von einer Alleinerziehenden (sind ja immerhin 84% Frauen) kann man erwarten, dass sie allerspätestens nach der Einschulung des Kindes im Zeitalter von Ganztagsbetreuung auch Vollzeit Arbeiten gehen kann, also für sich und ihre Lebensentscheidungen eigenverantwortlich einsteht. Rechte und Pflichten und so…

    1. Sie haben die Erklärung hoffentlich gelesen und nicht nur blind kommentiert. In dieser steht z.B. ausdrücklich erwähnt, dass alle UET, die auch unter z.T. schwierigen Bedingungen ihren Kindern den Unterhalt zahlen, Respekt und Anerkennung verdienen. Wer nicht in der Lage dazu ist, wegen Krankheit oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit, ist auch kein Unterhaltspreller.
      All jene aber, die es „nicht einsehen“, nur ihren Selbstbehalt zu haben, dürfen nicht auf Verständnis hoffen. Dass Kinder Geld kosten, weiß man, wenn man sie in die Welt setzt. Also müssen Sie selbstverständlich dafür aufkommen und arbeiten – das verlangen Sie doch auch von Ihrer Ex-Partnerin. Für Sie gelten die gleichen Regeln! Ansonsten prellen Sie Unterhalt. Fun fact: BET haben übrigens im Gegensatz zu Ihnen keinerlei Selbstbehalt und leben von deutlich weniger, wenn man alle Kosten durch die Kinder abzieht.

  2. Als langjähriges Opfer durch die Gewalt einer Unterhaltsprellerin fände ich es besser wenn hier nicht von Unhaltsprellern sondern von Unhaltsprellern/Prellerinnen oder Unterhalsprellenden die Rede wäre.

    Danke, B. Huber

    1. Falls es Ihnen entgangen sein sollte: Die Erklärung ist geschlechtsneutral formuliert. Dass Frauen aus den breit belegten und bekannten Gründen meist weniger verdienen als Männer und sehr häufig deshalb nicht zahlen können, ist kein Unterhaltsprellen. Dass so etwas kein prellen ist (m/w), steht auch deutlich in der Erklärung.

  3. Fakt ist, dass eine zusammenlebende Familie weniger Geld benötigt, als zwei Singels mit Kindern. Das Problem wäre größtenteils gelöst, wenn Ehen und Familien halten. Fakt ist: „Zwei von drei Trennungen gehen von der Frau aus“. Ich behaupte, geliefert wie gewünscht. Einfach mehr Selbstkritik, Partnerschaftskompetenz und Familienwerte leben. Passt nicht in das Weltbild der modernen Frau und wird hier wahrscheinlich auch nicht veröffentlicht.

    1. In zwei von drei Fällen hat evtl. die Frau davon genug, dass ihr Gatte davon ausgeht, den gesamten Mental Load plus den Löwenanteil der gratis Carearbeit allein seiner Frau mit niedrigem Einkommen aus einem Teilzeitjob überlassen zu können, während er selbst Karriere macht. Würden die Herren der Schöpfung ab Geburt des ersten Kindes wirklich zu 50% mit anpacken oder alternativ die Arbeit der Frau angemessen vergüten inkl. vernünftiger Altersvorsorge (und damit Wertschätzung zeigen & Absicherung), gäbe es mit Sicherheit deutlich weniger Trennungen. Denn – auch das hat eine Langzeitstudie ergeben – Beziehungen / Ehen sind nur dann dauerhaft von Bestand, wenn die Frau darin glücklich / zufrieden ist. Ist sie es nicht, geht sie. Ein unzufriedener Mann hingegen lässt den Rahmen mit allen Vorzügen für ihn, wie er ist, und sucht seine Ablenkung derweil in anderen Dingen statt an seiner Beziehung zu arbeiten und sich zu bemühen. Das Gehen als Konsequenz des eigenen Versäumnis dann aber der Frau vorzuwerfen, ist billig.

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