Menschen Mütter Attraktionen.

Hier: Hysteria 2.0.

Zu einem derzeit aktuell diskutierten Fall äußern wir uns nur mit Bauchschmerzen. Denn wir möchten kein tragisches Schicksal für unsere politische Arbeit ausschlachten. Außerdem kennen wir nicht alle Umstände des konkreten Falles. Und doch besitzt der gerade durch die Medien geisternde Fall frappierende Ähnlichkeit mit den Schilderungen der vielen Frauen, die uns online und offline in Beratungsstellen für Mütter begegnen.

1. Mütter sind nach der Geburt in einem fragilen körperlichen und emotionalen Zustand. Die Hormone pendeln sich erst langsam wieder ein. Schlafmangel tut sein übriges. Ohne Unterstützung fühlen sich junge Mütter gerade mit weiteren kleinen Kindern in ihrem Haushalt oft isoliert und stark gefordert. Kommen Eheprobleme hinzu, schlittert Frau leicht in eine postnatale Depression oder Krise.

2. Wer sich in dieser Situation helfen lässt, therapeutisch oder in einer spezialisierten Klinik, zeigt Reflektionsvermögen und Stärke. Nur leider können sich sinnvolle und wichtige Hilfsmaßnahmen in späteren Prozessen um das Sorgerecht als fatal erweisen.

3. Denn wenn der Ex-Mann plötzlich der Meinung ist, er könne die Kinder (oft mit neuer Freundin, die unter Umständen schnell gefunden und zum Babysitting motiviert wird) in einer neuen Familienkonstellation besser betreuen, dadurch noch Unterhalt sparen, bzw. seine ehemalige Partnerin subtil bewusst oder unterbewusst für die Trennung, Aufmüpfigkeit oder Vernachlässigung des männlichen Egos bestrafen, schlägt nun seine Stunde.

4. Die Mutter wird von ihrem Ex-Partner kurzerhand als psychisch krank, unzuverlässig und instabil deklariert. Oft wird ohne weitere Nachweise behauptet, sie leide bereits seit geraumer Zeit an psychischen Störungen. Sei eine Gefahr für die gemeinsamen Kinder. Die wenigen Wochen Betreuung durch den Vater haben nach Ansicht des Gerichts (im Gegensatz zu der mehrjährigen vorwiegenden Betreuung durch die Mutter als Hauptbezugsperson) Kontinuität geschaffen, die nun aus juristischen Gründen schlecht widerrufen werden kann.

5. Eine Mutter, die ihre Kinder Jahre zuvor zuverlässig betreut hat, muss in extremen Fällen nun mit wenigen Stunden von Psychologen begleitetem Umgang pro Woche Vorlieb nehmen. Und darf froh sein, wenn ihr jemals wieder das hälftige Sorgerecht übertragen wird oder sie die Kinder irgendwann wieder regelmäßig in ihrem Haushalt betreuen darf. Egal, ob die Betreuung der Kinder beim Vater von seiner neuer Freundin, der Oma oder dem Kindermädchen übernommen wird und sich Papa nach wie vor aus dem Windelnwechseln und Brotboxen packen raushält.

6. Das Umfeld wendet sich dem Vater zu, denn „Kindern wird ja nicht ohne Grund die Mutter genommen“. Aber Richter sind heutzutage hoffnungslos überlastet. Sie können nicht jeden Einzelfall ausgiebig prüfen. So kommt es immer öfters zu tragischen Fehlentscheidungen, bei denen auffallend viele Mütter (und im Endeffekt natürlich deren Kinder als Hauptbetroffene) die Leidtragenden sind. Schon allein, weil ein Vater vor Gericht oft ruhiger und rationaler wirkt als eine besorgte Mutter. Und Richter mangels psychologischer Fortbildung weder Narzissten noch Schauspieler entlarven können. Oder einer Mutter gerne „Bindungsintoleranz“ unterstellt wird, wenn sie berechtigte Emotionen wie Wut und Angst zeigt.

7. Die Zeiten, in denen Frauen als „Hysterikerinnen“, labil und psychisch krank abgestempelt wurden wenn sie sich Schwäche oder Unangepasstheit leisteten, sind offenbar zurückgekehrt. Dem können wir nur mit Solidarität, Aufklärung und Unterstützung entgegenwirken. Zu allererst müssen wir aber Mütter stärken. Damit sie nicht schon früh im Leben in wirtschaftliche oder psychische Abhängigkeiten geraten, aus denen sie nur schwer wieder herauskommen. Und aus denen eine Spirale von Fehlentscheidungen resultiert, die sich fatal auf die Kinder der nächsten Generation auswirken. Denn diese gehen im familiären „Kleinkrieg“, der für die Kinderseele aber ein ganz großer Krieg ist, regelmäßig unter.

Ganz oft werden Frauen, die auf die geschilderte Weise dann das Sorgerecht verlieren, übrigens wirklich psychisch krank. Sie zerbrechen an dem Druck. So erfüllen sich die Behauptungen der Gegenseite dann auf magische Weise von selbst.

 

photo credit: Mi Pham / ISO republic

4 thoughts on “Menschen Mütter Attraktionen.

  1. Sehr treffender Artikel!!!
    Der Vater meines Kindes, hatte schon in den ersten 3 Monaten alle Instanzen durch. Ich empfinde es als Zumutung, dass das Jugendamt sich überhaupt bereiterklärt hat in der Zeit, wo man sich noch im Wochenbett befindet, Termine zur Umgangsklärung rauszuschicken.
    Ich habe Glück, dass ich eine liebe Familie im Hintergrund habe und finanziell keine Probleme habe. Aber ich bin wirklich sehr oft an meiner Belastungsgrenze. Man muss alles mit kleinem Kind wuppen und wird dann noch zur Verantwortung gezogen, weil man angeblich die Beziehung zum Vater nicht genügend fördert, der aber nichts tut, außer noch mehr Stress zu machen.
    Dann muss man auch noch aufpassen, dass man nach außen wirklich tough wirkt und niemand auf die Idee kommt, dass man mit dem Kind überfordert ist. Da wurden mir wirklich die absurdesten Fragen gestellt. Man sollte eine Frau mit kleinem Baby einfach in Ruhe lassen und lieber mal Hilfsangebote machen.

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